Garten am Brand

Garten Am Brand - (c) Sammlung Reinhard Muschik 2
Garten Am Brand - (c) Leonhard Panzenboeck (2)
Garten Am Brand - (c) Katja Hasenoehrl 3

Die Villa Am Brand wurde während der Industrialisierung errichtet und im zweiten Weltkrieg zerstört. Sie bildete das Zentrum eines ummauerten Gartens. Die gesamte Fläche der abgerissenen Villa, von Schutt und Setzungen geprägt, kann im Gegensatz zu der angrenzenden Wiese nicht kultiviert und genutzt werden. Im Laufe der Zeit siedelten sich hier verschiedene Pionierpflanzen an. Das letzte Mal wurde hier vor zehn Jahren gerodet. Seither ist die Ruderalvegetation zu einem Vorwald herangewachsen, dessen Bäume in Höhe und Ausbreitung an die abgerissene Form der Villa erinnern. Dieser Wald ist Sinnbild für die Stetigkeit des Wandels, dem unsere vom Menschen geformte Umwelt unterliegt.

In der Mitte der Villa befand sich ein zweigeschoßiger, mit gläserner Decke überdachter Zentralraum. Dreizehn mal dreizehn Meter breit und neun Meter hoch war die Empfangshalle, umschlossen von Wohnräumen, die sich nach außen zu Stadt und Landschaft orientierten. Der Raum war repräsentatives Herzstück des Hauses. Im Boden befand sich eine mit Erde gefüllte und bepflanzte Vertiefung. Die Wände waren mit Pflanzen nachempfundener Stuckatur überzogen.

Unsere Intervention schreibt diese besondere Situation weiter. In Analogie zur vergangen Form der Villa, rodeten wir die Grundfläche der zentralen Halle aus dem Vorwald, der heute an Stelle der Villa wächst. Durch das gezielte Ausschneiden einer künstlichen Fehlstelle, entsteht ein neuer Raum in Erinnerung an das frühere Herzstück des Repräsentationsbaus, entsprechend dem Grundriss der Halle – umschlossen von Bäumen und dichter Vegetation. Durch das Setzen und Säen von Blumen und Gräsern an der frei geschlagenen Stelle, wächst ein kultivierter Naturraum innerhalb des wild Gewachsenen. So entsteht aus dem Vorhandenen ein umschlossener Garten, der die Erinnerung bedient und der Zweckfreiheit verpflichtet ist. Im zweiten Jahr konnten wir in dem rekultivierten Geviert über 60 Pflanzenarten zählen. Von den ausgesäten Pflanzen haben sich nur wenige angesiedelt. Der größte Teil der Vegetation besteht aus Arten, die vorwiegend Schutt besiedeln. So erzählt auch die dem menschlichen Eingriff folgende Vegetation von der Geschichte des abgerissenen Hauses und lässt die Grenzen des künstlichen und natürlichen verschwimmen. Man kann nicht beides gleichzeitig sehen, man muss eines festmachen, um das andere zu messen. Hier wird ein Ort festgelegt, um Zeit zu messen.

 

2018-2021

Mit
Irene Zluwa – Landschaftsarchitektin
Marie Lambropoulos – Biologin
Katarina Hollan – Ökonomin
Wolfgang Bohusch – Fotograf

Historische Abbildungen: Sammlung Reinhard Muschik

Luftbilder: David Faber
Fotografie: Katja Hasenöhrl

Gefördert durch die Abteilung für Kunst und Kultur des Österreichischen Bundeskanzleramts